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Folgen des Abzugs: Wirtschaft und Immobilienmarkt

Der Abzug der US-Streitkräfte bietet vielfältige Chancen für die zukünftige Entwicklung der Region Schweinfurt. Gleichzeitig stellt die Konversion ehemaliger Militärflächen sowohl die Stadt als auch den Landkreis vor ökonomische Herausforderungen.

Auswirkungen des Abzugs und Entwicklungschancen

Die US-Streitkräfte werden voraussichtlich bis zum Herbst 2014 vollständig vom Standort Schweinfurt abgezogen sein. Für die Stadt und den Landkreis bedeutet der Abzug eine historische Zäsur, auch in Bezug auf die Wirtschaftsentwicklung.

Einsatzbedingte Schwankungen bei der Anzahl der in Schweinfurt stationierten US-Soldaten sind nichts Ungewöhnliches. Mit dem Abzug verlassen aber zusammen mit den Familienangehörigen insgesamt rund 11.000 Menschen endgültig die Region.

Diese Reduzierung der tatsächlichen Einwohnerzahl geht mit einem Kaufkraftverlust von drei bis fünf Prozent des Gesamtumsatzes des Einzelhandels in der Stadt Schweinfurt einher. Insbesondere bei der speziell auf amerikanische Gäste eingestellten Unternehmen im Bereich Gastronomie und Hotellerie sowie bei Dienstleistungen wie dem Taxigewerbe ist in der Anfangszeit nach dem US-Abzug mit gewissen Umsatzrückgängen zu rechnen.

Nachdem der Einzelhandel jedoch bereits jetzt ein Kundenpotential von mehr als 380.000 Menschen erreicht, erscheint es alsbald möglich, die fehlende Kaufkraft zu kompensieren, zumal sich die US-Armee insbesondere seit den Anschlägen des 11. September ohnehin weitestgehend selbst versorgt. Schwieriger wird es für spezialisierte Unternehmen. Aber der wachsende Tourismus und insbesondere neue und bessere Freizeit- und Ausbildungs­möglichkeiten, auch möglich durch die Konversion, können einen mehr als gleichwertigen Ersatz bieten.

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Der Abzug der US-Streitkräfte bedeutet zugleich Chance und Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Schweinfurt (Foto: Daniel Wehner, CC BY 2.0)

Der Abzug der US-Streitkräfte hat zudem auch Auswirkungen auf städtische Unternehmen, wie beispielsweise die Stadtwerke Schweinfurt, die den US-Stützpunkt mit Fernwärme, Gas und Wasser versorgen.

Die Stadtwerke haben den Abzug und die damit einhergehende Reduzierung der Absatzmenge als Chance begriffen und mit dem Ausbau des heimischen Marktes begonnen. So konnten sie Anfang 2013 die Stromkonzession für die Nachbargemeinde Niederwerrn erhalten.

Mit einer Verringerung der Kundenbasis sieht sich auch das Leopoldina Krankenhaus konfrontiert. Durch eine Ausweitung des Angebots dieses größten städtischen Arbeitgebers - im Jahr 2013 zunächst mit dem Neubau einer Psychosomatischen Klinik und einer neuen Privatstation - ist jedoch auch dieses Unternehmen dabei, die Folgen des US-Abzugs abzufangen.

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Zu erwartende Umsatzeinbußen beim Taxigewerbe durch den Abzug der US-Streitkräfte können durch den wachsenden Tourismus und neue Investitionen im Rahmen der Konversion abgefangen werden (Foto: Fotolia, B. Wylezich)

Stärke des regionalen Arbeitsmarkts

Der Abzug bedeutet zugleich den Wegfall der Arbeitsplätze der knapp 600 Zivilbeschäftigten, den sogenannten „Local Nationals“ im Bereich der US-Gemeinde in Schweinfurt.

Die positive Entwicklung des Arbeitsmarkts in der Region Schweinfurt und insbesondere die im Rahmen der Konversion zu erwartenden Investitionen deuten darauf hin, dass diese Arbeitnehmer sehr gute Chancen auf eine Anschluss­beschäftigung haben. Bereits im Jahr 2012 lag die Arbeitslosenquote bei nur 3,6 Prozent und noch im Dezember standen 1.957 offenen Arbeitsstellen zur Verfügung.

Somit kann hoffentlich der Abzug der US-Streitkräfte auch auf dem Arbeitsmarkt aufgefangen werden. So auch der Präsident der IHK Würzburg-Schweinfurt Dieter Pfister: „Da sollte die Unterbringung von 500 – 600 Beschäftigten, soweit sie qualifiziert sind, kein unlösbares Problem darstellen.“

Immobilienmarkt steht vor Veränderungen

Besonders der Immobilienmarkt von Stadt und Landkreis wird im Zuge der Konversion Veränderungen unterzogen. Neben den innerstädtischen oder stadtnahen militärischen Liegenschaften mit einer Gesamtfläche von 281 Hektar, kommen rund 890 zivile Wohnobjekte – das sogenannte „Leased Housing“ – zurück auf dem Immobilienmarkt. Davon befinden sich 129 in der Stadt und 560 im Landkreis Schweinfurt. Weiterhin umfassen der weitläufige „Übungsplatz Brönnhof“ und der Schießplatz „Haardtwald“ circa 2.600 Hektar.

Der Blick auf die stabile Bevölkerungsentwicklung der Stadt mit einem zu erwartenden Anstieg der Haushalte, sowie insbesondere weitere Platzbedarf an Fachoberschule und Fachhochschule zeigen bereits, dass zeitnah eine zivile Umnutzung der Konversionsflächen gelingen kann. Auch die weiter steigenden Zahlen der Arbeitnehmer und berufsbedingten Einpendler der Stadt verdeutlichen die enormen Chancen der Konversion in der Kugellagerstadt.

Das zeigt auch eine aktuelle Studie der HypoVereinsbank, die der Stadt nicht nur steigende Miet- und Kaufpreise attestiert, sondern enorme Chancen für die Zukunft sieht (siehe Beitrag der Main-Post „Preise und Mieten steigen“). Durch die geringe Bautätigkeit der vergangenen Jahre und die starke Nachfrage dank der guten Wirtschaftslage, sei Schweinfurt auch für Investoren sehr interessant. In einigen Marktsegmenten könne sogar von Wohnungsmangel gesprochen werden. „In Schweinfurt bieten sich große Chancen für die bauliche und ökologische Entwicklung als Wohnstandort“, sagt Dieter Seidl, der das Privatkundengeschäft für die HypoVereinsbank in Schweinfurt verantwortet.


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